Wie ist das mit japanischen Freunden?

Ich denke es ist kein Geheimnis dass es Austauschschüler oft nicht einfach haben Freunde zu finden. Man kommt als neuer Schüler – oft mitten im Schuljahr – dazu und alle anderen kennen sich schon seit Jahren, haben bereits viele gemeinsame Erlebnisse, Insider und Geschichten. Hinzu kommt, dass Japaner nicht gerade für ihre extrovertierte Persönlichkeit bekannt sind und auch sonst nicht offen über sich selbst reden. Ich hatte mir echt Sorgen gemacht dass ich hier einsam werde, da ich ja auch keine Gastgeschwister habe.

Hinzu kommt, dass meine Schule sehr speziell ist. Ich werde dazu sicher mal einen extra Beitrag schreiben, aber ich habe zum Beispiel nie die gleichen Leute in einer Klasse – hier gibt es nur „Kurse“, die man frei wählen kann. So sehe ich viele Leute nur einmal in der Woche.

Schulfreunde
Glücklicherweise hatte ich meine allererste Stunde (Mathe – verstehe leider nur Bahnhof) neben meinem „Buddy“ – also einer Schülerin die mich etwas rumführte und mir Dinge erklärte. Julie tanzt so wie ich auch gerne und spielt Klavier. Sie war schonmal in der Schweiz und wohnt nicht weit weg von mir (Laufdistanz) in Yokohama. Ich habe ihr versucht beizurbingen was Sarkasmus ist und wir lachen viel zusammen. Geplant ist schon ein Ausflug zu dem Ghibli Studio Museum in Tokio nächstes Jahr, sowie ein Kinobesuch in einem Zombiefilm, da wir beide gerne Horrorfilme gucken. Wir haben gemeinsam Yokohama erkundet und die leckersten Pancakes überhaupt gegessen! Der Laden hiess Butter – wenn man ein Foto seiner Mahlzeit auf Instagram hochlädt bekommt man einen gratis Drink – das muss ich noch ausnutzen!

Ausserdem habe ich durch Zufall eine Gruppe von Freunden kennengelernt, wo ich mich direkt willkommen gefühlt habe! Alle haben mal eine Zeit lang in einem anderen Land gelebt, daher wissen sie wie es ist neu zu sein und die Sprache nicht zu können. Wir reden oft auch auf Englisch, was aber mal eine gute Abwechslung ist da ich mich so einfach viel besser ausdrücken kann. Und mit allen anderen rede ich sonst ja Japanisch, da kommt es mir gar nicht so schlecht ab und zu auch mal Englisch zu sprechen, um mich besser zu artikulieren und wirklich zu verstehen was denn um mich herum so abgeht. Wir haben zu fünft ganz spontan einen Sleepover gemacht, Horrorfilme geschaut, lecker gegessen, billige koreanische Gesichtsmasken ausprobiert (die waren mir etwas suspekt…) und ein Fotoshooting am Meer gemacht! Es gab lustiger Weise Käsefondue – aber nicht mit Brot sondern mit Japanischem Gemüse! Am Morgen haben wir Pancakes selbstgemacht und uns gegenseitig geschminkt. Wir waren bei Rin und Moe in Chigasaki, die beiden Schwestern lebten für sechs Jahre in Singapur. Dann war da noch Ami, die für fünf Jahre in Australien gelebt hatte und Rinika, die für drei Jahre in Florida zur Schule ging. Wir haben immer viel zu lachen und machen sehr viele Fotos!
Leider haben wir alle nur eine Klasse zusammen! In vielen Klassen habe ich jemanden zum reden, aber es gibt auch Klassen da sitze ich einfach hinten in der Ecke und lerne still Japanisch ohne jegliche soziale Aktivitäten. Es ist auch echt schwer bei einer Klasse von 40 Schülern dem Austauschschüler alles extra erklären zu müssen, vor allem da der Lehrplan sehr streng ist.
Ich denke es gehört zu einem Austauschjahr dazu, ab und zu etwas einsam zu sein. In dieser Zeit kann man viel nachdenken, lernen und sich den Sachen widmen für die man sonst keine Zeit hat. Ich versuche das Beste aus solchen Situationen zu machen und freue mich einfach auf die nächste, hoffentlich spannendere Stunde. Manchmal schlafe ich auch im Unterricht, was hier total normal ist und sogar als gutes Zeichen gilt, da es zeigt dass der Schüler viel arbeitet und deshalb wohl so übermüdet ist.

Freundschaft im Allgemeinen
So richtig dicke Freundschaften wie wir sie zum Beispiel in der Schweiz kennen, gibt es hier leider kaum. Man redet selten über ernste und wichtige Dinge oder gar philosophisches. Ich denke Japaner sind es nicht wirklich gewohnt ihre Meinung offen zu sagen oder gar eine Diskussion zu führen. Man akzeptiert einfach das was andere einem sagen, das selbstständige Denken wir kaum gefordert. Daher rede ich mit den Leuten meistens über Dinge wie Essen, Filme oder Hobbies. Wobei es natürlich auch Ausnahmen gibt. Doch über Essen könnten Japaner wirklich stundenlang reden, da schlägt ihr Herz höher. Wenn man tiefgründige Fragen stellt wird meistens nur gelächelt und schnell das Thema gewechselt.

Es ist hier alles eher ein bisschen oberflächlich, die Freundschaften – sowie übrigens auch Beziehungen beruhen nicht auf tiefgründigen Gesprächen sondern eher aus viel Lachen (wobei ich ehrlich sagen muss, ich weiss nicht ob das immer so echt ist, aber freundlich ist es auf alle Fälle) und zusammen Essen gehen. Das ist hier voll das Ding, man verabredet sich zum Essengehen. Ich bin in der Schweiz kaum auswärts mit Freunden so richtig „Essen gegangen“, hier wird das jedes Wochenende gemacht. Auch ins Disneyland geht man zusammen – aber mit Schuluniform und Partnerlook – mehrmals im Jahr. Um das alles zu finanzieren macht hier fast jeder einen Nebenjob (Baito – kommt vom deutschen Wort Arbeit).  Natürlich sind alle sehr höflich und freundlich, wie man nunmal Japan kennt. Hier und da gibt es Ausnahmen, welche doch bekanntlich die Regel bestätigen. 🙂 Auf jeden Fall begrüsse ich die meisten Schüler einfach nett wenn wir uns in der Schule sehen („Otsukaresama“ = wortwörtlich „danke für deine harte Arbeit“) aber sonst habe ich mit den meisten nicht so viel am Hut. Ich bin jedoch unheimlich froh schon eine Freundesgruppe gefunden zu haben, auch wenn es manchmal etwas schwierig ist mitzureden, da man halt nicht dabei war!

Im Grossen und Ganzen geht es mir soweit ganz gut und ich habe viele Schulfreunde – ich bin gespannt wie sich das alles entwickelt und wer ein ganzes Jahr an meiner Seite stehen wird!

Bis bald,
Sophia

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7 Kommentare

  1. Hallo mein Schatz!

    Ein sehr interessanter Einblick! Schön, dass Du schon eine Gruppe gefunden hast, in der Du Dich wohl fühlst 🙂 Tolle Fotos!!

    Es ist schon eine sehr fremde Kultur…Beeindruckend, wie Du Dich darauf einlässt.

    In Liebe
    Mama

  2. Helloo Sophia
    Ich bin immerno beidruckt wie fliissig du bisch!
    Es isch spannend z ghöre dass Asiate – egal ob Japaner oder Thais – doch sehr ähnlich ticked. Schön, dass es Grüppli mit Fründe gfunde hesch 🙂
    Guet Nacht,
    Chiara

    1. Heyy Chiara!
      Han echli zvell Ziit gha wie du weish haha! S gaht mer au weder schlächter als Gestert, chan leider wegem Fieber ned ah so es Event vo AFS 🙁
      bin au mega glücklich deswege!
      heb der sorg und wott gern ghöre wie din fun run gsi ish 😀
      Sophia

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